Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), oft auch Indisches Springkraut genannt, steht seit
Ende Juli auch bei uns wieder an vielen Stellen im Remstal in voller Blüte. Das Springkraut ist eine
Pflanzenart in der Familie der Balsaminengewächse, sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt auf
dem indischen Subkontinent. Im 19. Jahrhundert wurde es als Zierpflanze in Nordamerika und auch
in Europa eingebürgert. Es wächst in Mitteleuropa vor allem an feuchten Waldrändern, in Auen- und
Uferlandschaften und es kommt inzwischen leider auch schon in unseren Streuobstwiesen vor. In
Europa wird das Springkraut vielerorts als invasiver Neophyt bekämpft, da es als Bedrohung für
heimische Pflanzenarten, ja ganze Pflanzengesellschaften in deren Lebensräume betrachtet wird. Es
raubt somit unserer heimischen Insektenwelt ihre Nahrungsquellen.

Beschreibung und Problematik des Drüsigen Springkrauts:
Das Drüsige Springkraut ist eine einjährige krautige Pflanze. Die Pflanze wurzelt recht flach (bis
maximal 20 Zentimeter) mit tausenden feinsten Würzelchen. Die dicken, aber hohlen Stängel
verzweigen sich oben sehr stark. Der aufrechte Blütenstand ist raumgreifend üppig verzweigt. Die
purpurroten, rosafarbenen oder weißen Blüten duften stark süßlich. Es wächst sehr schnell und
erreicht in kürzester Zeit Wuchshöhen von über 2 Meter und überdeckt und erstickt so heimische
Pflanzen sehr schnell. Es benötigt für sein schnelles Wachstum eine ausreichende Wasserversorgung
und entzieht somit der Fläche, auf der es wuchert, in großer Menge das Oberflächenwasser.
Da die Pflanzenstängel äußerst wasserhaltig sind, legen sie sich nach dem ersten Frost flach auf den
Boden und bedecken komplett die Bodenstruktur. Einsetzender Regen kann nicht in gewünschtem
Maße in den Boden eindringen, fließt in Hanglagen bergab, sammelt sich in kleinen Bächen und
fördert so die Bodenerosion.

Der Blütenstand ist insektenfreundlich, da die Pflanzen einen sehr süßen Nektar und zuckerhaltigen
Pollen anbieten kann. Sie werden meist durch Honigbienen, seltener durch Hummeln bestäubt. Diese
Besonderheit des Springkrauts mit seinem intensiven Duft schränkt bei ihren einheimischen
Standortkonkurrenten die Möglichkeit der sexuellen Vermehrung stark ein, da diese von den
Hummeln nur noch „nebenbei“ besucht werden.
Die Art hat zwar eine besondere Bedeutung als späte Bienenweide für Honigbienen, jedoch sind
manche Imker trotz des hohen Nektar- und Pollenvorkommens nicht immer begeistert von dieser
Pflanze. Wurden die Honigbienen vom Imker schon mit der Winterfütterung versorgt und gibt es spät
blühende Flächen mit Indischem Springkraut in der Nähe des Bienenstocks, so ist die Gefahr groß,
dass die Honigbienen vermehrt noch ausschwärmen und noch sehr viel Futter in den Freiräumen
zwischen den einzelnen Wabenrähmchen einlagern. Die so dezimierten Hohlräume, die die Bienen
im Winter durch Warmzittern aufheizen, reichen damit bei Frost nicht mehr aus, um eine
ausreichend hohe Temperatur im Bienenstock zu erreichen und das Bienenvolk kann dann erfrieren.
Verbreitung des Drüsigen Springkrauts:
Die Verbreitung ist gewaltig: durch einen Schleudermechanismus, der schon durch Regentropfen
ausgelöst werden kann, schleudern die Früchte ihre Samen bis zu 7 Meter weit weg. Da eine Pflanze
bis über 4000 Samen produziert und die Keimfähigkeit der Samen mehrere Jahre erhalten bleibt,
treten in Gebieten mit flächigen Beständen bis zu 32.000 Samen pro Quadratmeter Boden auf. Durch
Starkregen und beim Befahren solcher Gebiete kann der Samen in einem Jahr extrem weit verbreitet
werden.
Bekämpfung des Drüsigen Springkrauts:
Bis zur Bildung der ersten Blüten verhindert ein tiefer Schnitt (Mahd) eine weitere Verbreitung. Das
Springkraut lässt sich auch gut ausreißen. Diese Maßnahme muss jedoch sinnvollerweise vor der
Samenreife durchgeführt werden. Da es an den Sprossknoten leicht zur Wiederbewurzelung kommt,
sollten ausgerissene oder gemähte Pflanzen abgeräumt und kompostiert oder auf Wegen und
Straßen zum raschen Verdorren ausgelegt werden. Die bearbeiteten Flächen müssen jedoch weitere
vier Jahre kontrolliert werden, denn der Samenvorrat im Boden kann insgesamt fünf Jahre keimfähig
bleiben.
Eine lokale manuelle Bekämpfung des Springkrauts an unseren Waldrändern und auf unseren
Streuobstwiesen erscheint machbar und wird vom NABU Weinstadt seit mehreren Jahren - je nach
Standort der Pflanzen – mehr oder weniger erfolgreich durchgeführt. An den Uferstandorten der
Rems selbst ist die Bekämpfung eher schwierig, da bei Hochwasser die Samen über viele km hinweg
in unsere Gemarkung eingeschleppt und auch weitergegeben werden. Durch eine rechtzeitige Mahd
durch die zuständigen Behörden (Wasserwirtschaft, Stadtgärtnerei und Bauhof) kann der Neophyt
Jahr für Jahr einigermaßen in seinen Grenzen gehalten werden. Anders sieht es an den Weinstädter
Rems-Nebenflüssen aus: Hier versucht der NABU Weinstadt durch manuelles Ausreißen der Pflanzen
vor dem Aussamen Herr zu werden. Unsere Bäche (Haldenbach, Mühlbach, Strümpfelbach,
Schweizer-bzw. Beutelsbach) sind inzwischen nahezu Springkraut-frei.
Die aktuelle Gesetzeslage:
· Wegen des erforderlichen Ressourcenumfangs und wegen Achtung eines sinnvollen KostenNutzen-Verhältnisses kann das Land BW selbst keine flächendeckenden Maßnahmen zur
Eindämmung des Drüsigen Springkrauts durchführen. Das Ministeriums für Umwelt, Klima
und Energiewirtschaft empfiehlt vor diesem Hintergrund: die zuständigen
Naturschutzbehörden entscheiden auf Grundlage des neuen § 40 a BNatSchG nach
pflichtgemäßem Ermessen, welche Maßnahmen im Einzelfall erforderlich und
verhältnismäßig sind. Sie stehen Grundstückseigentümern auch beratend zur Seite.
· Es ist die Verpflichtung von Grundstückseigentümern, eventuelle Untersuchungen oder
Maßnahmen der Naturschutzbehörden zur Beseitigung oder Verhinderung einer Ausbreitung
des Drüsigen Springkrauts auf Grundlage des neuen § 40 a BNatSchG zu dulden.

· Bekämpfungsmaßnahmen werden meist lokal eng begrenzt durch Ortsgruppen des NABU
und BUND oder durch Privatpersonen – beispielsweise im Rahmen von Bachpatenschaften –
initiiert bzw. durchgeführt.
NABU Weinstadt bittet um Mithilfe der Grundstückbesitzer
Das Indische Springkraut hat in unseren Streuobstwiesen nichts zu suchen. Mitglieder des NABU
Weinstadt sind daher in der Gemarkung Weinstadts von Juli bis November immer wieder in den
einschlägigen und bekannten Gebieten, in denen der Neophyt gesichtet wurde, unterwegs und
säubern die befallenen Flächen. Auch einzelnstehende Pflanzen müssen entfernt werden, da die
Verbreitungskraft einer einzelnen Pflanze im Folgejahr schon bis zu 50 Quadratmeter Fläche
einnehmen kann.
Aufgrund der schieren Menge bittet der NABU Weinstadt die Grundstückbesitzer, die Pflanzen
bereits vor dem Aussamen zu entfernen. Insbesondere bei eingezäunten Grundstücken ist der NABU
auf Ihre Mithilfe angewiesen. Jeder Einzelne von uns kann helfen und beim Spaziergang die sehr
einfach zu erkennende Pflanze ausreißen und an einem trockenen Ort ablegen und verdorren lassen.
Bei Fragen kann man sich gerne an den NABU Weinstadt wenden:
www.nabu-weinstadt.de
Claus Hainbuch, NABU Weinstadt
c.hai@t-online.de
mobil: +49 151 2885 6825
Quellenverzeichnis:
· Drucksache 16 /2362 des Landtages von BW vom 17. 08. 2017 zum Thema „Maßnahmen
gegen die Ausbreitung des Drüsigen Springkrauts in Waldgebieten“, Stellungnahme des
Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.
· https://en.wikipedia.org/wiki/Impatiens_glandulifera.