Die NABU-Biotope

Kleinode in der Landschaft

Unsere Schutzgebiete im Detail

Der Klingenkopf

Naturdenkmal „Klingenkopf“

 

Das Naturdenkmal liegt mitten in den Weinbergen oberhalb Strümpfelbachs und unterhalb des Karlsteins. Wegen seiner besonderen geologischen Beschaffenheit wurde der Klingenkopf nie landwirtschaftlich intensiv genutzt. Auf dem Felssporn über dem Stubensandstein war schon immer nur eine dünne Erdschicht, auf der das Gras nur spärlich wuchs. Neben einigen Kiefern sind auch Birken zu finden. In der Vergangenheit wurde im Winterhalbjahr regelmäßig vom Schäfer beweidet. So konnte sich hier eine einzigartige Pflanzengesellschaft entfalten und über Jahrzehnte erhalten. Diese Pflanzengesellschaft wird auch als Steppenheide bzw. als Xerothermbiotop bezeichnet. Der Klingenkopf wurde 1938 zum Naturschutzgebiet (NSG) erklärt und hat heute den Status eines Naturdenkmals.

 

Im Jahr 1971 erfolgte die Weinbergumlegung in Endersbach, die große Veränderungen gerade am Klingenkopf mit sich brachte. War er früher am nordöstlichen Teil durch Streuobstwiesen mit dem Karlstein verbunden, so wurde dieser Bergrücken abgeflacht und zu Weinbergen ummodelliert. Insgesamt wurde die Fläche des Naturdenkmals dadurch deutlich größer: auf der südlichen Seite entstand eine ca. 5m breite Hangböschung, am Eingang eine ca. 20m breite neue Fläche und an der Nordseite ein etwa 150m und 70m langer Steilabhang. Eine Pflanzenliste oder schriftliche Dokumentation vor der Umlegung gab es nicht. Ende der 80er Jahre hatte der Schorndorfer Botaniker Dr. Hans Scheerer einen Arbeitskreis gegründet, mit dem Ziel, die Flora und Fauna der wichtigsten Xerothermstandorte des Rems-Murr Kreises zu erfassen und seit 1979 wurde von Dr. Spiess systematisch die Flora von Endersbach erfasst.

 

 

 

Auf dem Klingenkopf wächst die wohl interessanteste Flora Weinstadts:

 

Im alten Teil des Klingenkopfes, in dem lichten Kiefernwäldchen, hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert. Seit 1964 wird dieser Teil vom NABU unter der Regie von Kurt Kayser beobachtet und gepflegt. Neben der jährlichen Mahd mussten immer wieder Bäume gefällt werden, um den für die vorkommenden Pflanzen wichtigen Halbschatten zu erhalten. Im zeitlichen Jahresablauf erblüht Ende März das Hain- und das Rauhaarige Veilchen.

 

Bald folgen die Erdsegge und die Wiesen-Schlüsselblume. Ende April finden wir im Halbschatten das Bleiche Waldvögelein in schwankender Anzahl. Besonders erfreulich ist, dass sich das Stattliche Knabenkraut eingefunden hat und dieses Jahr wegen des sehr milden Winters bereits Anfang April blühte.

 

Bald darauf entdeckt man die unauffällige 2. Orchidee, das Zweiblatt in grünlicher Farbe. Durch die frühe Beweidung haben die im Juni blühenden Orchideen (wie z. B. die Bienenragwurz) mehr Platz zum Wachsen.

 

 

Im Mai beginnt ein farbenprächtiges Schauspiel seltener Pflanzen: Blutroter Storchschnabel entlang des Waldsaumes, auf der davor feien Fläche der gelbe Weidenblättrige Alant, die zahlreichen weißen Tupfen der Ästigen Graslilie und vor allem in dem aufgelassenen Weinberg die violetten Rispen der Mücken-Händelwurz. Diese hat sich in den vergangenen 30 Jahren dort sehr gut ausgebreitet (ca. 50 Exemplare), am Eingangsbereich etwa 20 und schließlich am Nordhang über 100 Stück.

 

An der Südwestkante des Felsvorsprungs wächst das Pyramiden-Schillergras und die Aufrechte Trespe, beides Indikatoren für eine Trockenrasen-Flora. Durch das trockene Wetter der letzten Jahre ist die Bienenragwurz, welche seit Ende der 80er Jahre spontan auftrat, immer mal wieder blühend zu finden.

 

 

 

Beständig ist dagegen das Sonnenröschen direkt an der Felsenkante neben Hufeisenklee und der Grannen Klappertopf. Um diese Jahreszeit blühen auch die Schwalbenwurz, die purpurrote Kartäusernelke und die Rundblättrige Glockenblume. Auf dem Steilhang oberhalb des Weinbergstreifens kann das Ungarische Habichtskraut und der Quirlblütige Salbei die Hitze und Trockenheit im Hochsommer ertragen. Auf dem Felsplateau ist ebenso der Wacholder trockenresistent.

 

Ende August kündigt die Bergaster das Ende des Sommers an. Durch die Beweidung wurde es wieder möglich, dass der Deutsche- und der Fransen-Enzian im September blühen können. Der Fransen-Enzian ist sogar am leicht feuchtschattigen Nordhang anzutreffen, wo auch das Pfeifengras und der Blutrote Storchschnabel inzwischen ihren festen Standort haben. Im Herbst freut man sich noch über ein paar Exemplare der Gold-Distel.

 

 

 

Unser Wildbienenhaus an der Rems, das 2018 im Rahmen der Gartenschau errichtet wurde, wurde von den Wildbienen so hervorragend angenommen, dass sich der NABU daraufhin entschied, auch am Klingenkopf zur Unterstützung der Artenvielfalt der Wildbienen eine Nisthilfe zu errichten. Zu Beginn des Jahres 2020 wurde die neue Wildbienenwand fertiggestellt und wir sind gespannt, ob die Nisthilfe genauso gut angenommen werden wird und welche Wildbienen einziehen werden.

 


Das Enzianstückle

Naturdenkmal „Enzianstückle“

Nach dem Klingenkopf ist dies die botanisch bedeutendste Fläche in Weinstadt. Obwohl nur sechs Ar groß, hat sich eine einzigartige Pflanzengesellschaft entwickelt, sowohl was die Anzahl als auch was das Artenspektrum betrifft. Die kleine Wiese, unterhalb des Karlsteins rechts des Wanderweges gelegen, ist im Besitz der Familie Dr. Kindt und wurde vom Landgut Burg zur Beweidung genutzt. Auf Antrag des NABU wurde sie Ende der 70er Jahre zum Naturdenkmal erklärt und wird seither vom NABU gepflegt und betreut. Besonders die Orchideenbestände haben sich danach prächtig entwickelt.

 

Im Jahresverlauf ist Ende März die Wiesenschlüsselblume, das Wohlriechende Veilchen und die Erdsegge zu entdecken. Seit Ende der 80er Jahre erscheint Mitte April in kräftiger rosa Farbe das Helmknabenkraut als erste Orchideenart – meistens etwa 20 Exemplare.

 

Zur selben Zeit erblüht das Stattliche Knabenkraut, von dem seither häufig ein paar Pflanzen zu finden sind. Im April füllt sich der obere Teil der Wiese mit 30 – 50 Zweiblättrigen Waldhyazinthen.

 

Dieses Farbenspiel verleiht der Wiese mit dem frischen Grün ein sehr anmutiges Aussehen. Bald folgt das Zweiblatt (30 – 50 Pflanzen) und das rosarote Gefleckte Knabenkraut. Mit ihren violetten Rispen verleiht die Mückenhändelwurz der Wiese einen besonderen Farbtupfer (40 – 60 Stück). Ein botanischer Höhepunkt war die 1980 erstmals blühende Bienenragwurz. In manchen Jahren sind sogar 2 – 3 Pflanzen davon zu sehen.

 

Außer diesen 6 Orchideenarten gibt es auch noch weitere Raritäten: gelb blühender Grannen-Klappertopf und Weidenblättriger Alant.

 

Die wenigen Exemplare des weißen Bergklees waren seit Mitte der 80er Jahre verschwunden, wurden aber 2020 wiederentdeckt. Im Hochsommer finden wir noch Zittergras, die Sumpf-Kreuzblume, die Schopfige Kreuzblume, Hufeisenklee, Luzerne, Pyramiden-Schillergras, Aufrechte Trespe und Echtes Labkraut.

Im Spätsommer bildet das Pfeifengras größere Bestände, seit etwa 10 Jahren behauptet sich dazwischen die Prachtnelke. Gegen Ende des Sommers kommt noch die Hirschwurz und die Gold-Distel.

 

 

 

Ab Mitte September ist das Erblühen der Enziane, die dem Stückle den Namen gegeben haben, ein Höhepunkt: Deutscher Enzian - in den 80 er Jahren mit über 50 Exemplaren, heute noch etwa 20, und Fransen-Enzian mit rund 20 Stück. Trotz der vergleichsweise kleinen Fläche stellt diese Wiese ein besonderes Kleinod dar.

 

 

 

Auf eine Rarität soll noch hinwiesen werden: in den 90 er Jahren entdeckte der Botaniker Herr Scheerer auf dem Trockenhang hinter der Aussichtsplattform des Karlsteins das Kleine Tausendgüldenkraut. Es wird hier nur 2 – 3 cm groß, war aber seither in jedem Jahr zu finden.

 


Der Strümpfelbacher Schachen

Naturdenkmal „Schachen“

Der kleine Bach „Strümpfelbach“ entspringt am nördlichen Ortsrand von Schanbach im Wald, fließt durch eine Klinge und den gleichnamigen Ort Stümpfelbach und mündet bei der Seemühle in den von Stetten kommenden Haldenbach. Schon kurz nach seiner Quelle bildet bald er eine schluchtartige Klinge. Dieses Gebiet von der Klinge im Wald bis zum südlichen Ortsrand von Strümpelbach heißt Schachen.

 

 

Beim Austritt das Baches aus dem Wald hat sich eine ca. 50 x 20 m große feuchte, schattige Wiese gebildet. Auf dieser Wiese hat der NABU Weinstadt vor etwa 40 Jahren ein Feuchtbiotop und Tümpel angelegt. Diese sind ein gutes Refugium für Amphibien; ansonsten sind in diesem Gebiet keine derartigen Wassertümpel vorhanden. Jedes Jahr kommen im Frühjahr zahlreiche Kröten und Molche, um dort zu laichen. 

Seltene, geschützte Pflanzen sind im Schachen nicht vorhanden. Aber im Spätsommer blühen zahlreiche Kohl-Kratzdisteln, die von vielen Schmetterlingen aufgesucht werden. Ein paar Wochen später werden vom Distelfink u.a. Vögeln gerne die Samen aufgepickt. Im August blüht noch die Ross-Minze und überall wächst die Brennnessel, die die Nahrung für Schmetterlingsraupen bildet. Leider hat sich vor mehr als 10 Jahren das Indische Springkraut eingefunden. In gezielten Aktionen konnten wir die weitere Ausbreitung verhindern und im weiteren Bereich des Strümpfelbachs fast ganz ausrotten. 

Besonders für Fledermäuse und viele Waldvögel ist der Schachen so eine ruhige Heimat ohne Verkehrslärm und ohne viele Besucher. Dieses Naturdenkmal ist in Weinstadt somit von besonderer Bedeutung.

 

Dieses Jahr hat in einer Pflegeaktion der Pflegetrupp der Diakonie unter Leitung von Markus Neuffer sogar ein Biotop für Zauneidechsen angelegt. So hoffen wir, dass sich dadurch noch mehr seltene Tiere und Pflanzen einfinden. 

Von unserer NAJU wird der erste Tümpel restauriert.

Im Spätsommer nutzt der NABU Weinstadt diese idyllisch gelegene Wiese gerne für seine Sommerfeste:


Der Beutelsbacher Bietenwasen

ist leider kein Schutzgebiet, wird jedoch von uns gepflegt.